KBV "Fix wat mit" Ruttel e.V.
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Zeitungsausschnitt aus den Ostfriesischen Kurier vom 12.05.2012

 

14. Europameisterschaft der Klootschießer und Boßler: Italien-Spezial

Premiere. Am 25.April 1997 bestritt eine FKV-Delegation um Jardo Tapper, Herbert Frrese und Wolfgang Böning erstmals ein Tunier in Italien und bestaunte dabei die "Giocatori" der ABIS.

Malerische Kulisse. Die Hochburgen des "Bocciatori"-Verbandes ABIS liegen in Mittelitalien, geboßelt wird dort mit einem herrlichen Blick auf die Adriaküste.

Treffen sich ein Belgier und ein Italiener

EM-Premiere  Per Zufall wurde eine internationale Friesensport-Familie aus "Bocciatori" aufmerksam

Im April 1997 erlebten erstmals FKV-Werfer italienishce Boßler. 15 Jahre später richtet die ABIS selbst das große internationale Treffen aus.

 

von Berhad Uphoff

Pesaro - Sie fühlten sich ein wenig wie einst Christoph Columbus, als sie Ende April 1997 zum "1. Torneo Internationale di Boccetta" in der Gemeinde St. Giorgio di Pesaro, 65 Kilometer südlich von Rimini, antraten. Angeführt vom damaligen Verbandsvorsitzenden Jardo Tapper aus Blomberg und dem Boßelobmann Norbert Freese aus Neuschoo waren Heino Meiners aus Stapel, Andreas Stindt sowie Thorsten Röseler aus Hohenberge sowie Marco Bohlen und Uwe Köster aus Reepsholt die ersten Boßler aus dem Friesischen Klootschießerverband (FKW), die erstmals überhaupt italienische "Bocciatori" erlebten. Die Entdecker waren damals auf Anhieb begeistert: " Von den Italienern können einige auf Anhieb in der Landesliga mitwerfen" lobte Tapper. 15 Jahre später hat der italienische Verband "Associazione Boccetta Italiana su Strada" (ABIS) die große Ehre, vom 17. Mai bis zum 20. Mai zum ersten Mal eine Europameisterschaft der Klootschießer und Boßler in Pesaro und Fano an der Adriaküste auszurichten. Ein Zufall machte es möglich.

Treffen sich ein Belgier und ein Italiener in Frankreich bei einem Kongress von Vetretern aus traditionellen Sportarten. Als der Italiener von seinem "Boccetta" erzählt, wird sein Gegenüber hellhörig, kennt er doch den Niederländer Hennie Kemna, der einen ähnlichen Sport betreibt. Nachdem sie über Jahrzehnte hinweg nichts voneinander gewusst hatten, da die "Bocciatori" fernab der Torismus-Hochburgen auf Feldstraßen boßeln, ging alles ganz schnell, als Valter Boiani mit Jos Leussink vom "Nederlande Klootschietes Bond" Kontakt aufnahm. Auch Boiani strahlte, als er damals im Frühjahr 1997 Boßler aus Ostfriesland, Oldenburg, den Niederlanden, Irland und Schleswig-Holstein auf dem Monte Gucco willkommen hieß: " es ist ein schönes Gefühl, so viele Werfer zu sehen." Denn der ehemalige Verbandschef erkannte schnell die Chance für italienische Werfer, die im internationlen Vergleich liegt. " in unseren Dörfern zu bleiben, wäre unser Tod." Trotz der großen räumlichen Entfernung gab es plötzlich einigen wichtigen neuen Anreiz für die "Bocciatori".

Fortan wurde der Kontakt weiter intensiviert, wobei die Sprachbarriere eine große Hürde ist. Bei der Premiere fungierte Thomas del Monto, ein Rechtsanwalt aus Pesaro, als Dolmetscher, der unter anderem in Regensburg studiert hatte. Als er kurz vor der Premiere mit einer Studienfreundin telefonierte und ihr über die Boßel-Entdeckung berichtete, reagierte diese gelassen. Weil sie in den Ferien Juist besuchte, kannte die Westfälin Boßler - vorher hatte sie mit del Monto nie über das Thema gesprochen. Ähnlich kurios: Elio Gaudelli arbeitete 1979 in Stuttgart und boßelte sonntags aus den Feldwegen von Eschlingen - auch dabei stand der Zufall nicht Pate.

Die "Bocciatori" blicken ebenso auf eine lange Tradition zurück: Der erste Bildbeweis, der italienische Boßler bei einem Wettkampf in der Nähe von Perugia zeigt, stammt laut Boiani aus dem Jahr 1910. Nach mündlichen Überlieferungen reicht die Geschichte des "Boccetta" angeblich bis ins Mittelalter zurück, schriftliche Dokumente gibt es nicht. Etwa 2000 Mitgleider hat die ABIS, wobei die Frauen eine Minderheit bilden. Erst durch die internationalen Kontakte und die Wettbewerbe der Frauenmannschaften bei der EM stieg die der Boßlerinnen in Südeuropa.

Ob in Italien oder Ostfriesland, die Technik mit dem Unterhandwiurf ist identisch. Die farbenfrohen Kugeln der Italiener aber bestehen aus einem Marmoor-Eisen-Gemisch. Das Gewicht beträgt zwischen 400 bis 700 Gramm, der Durchmesser variiert zwischen 65 und 90 Millimetern. Die Hochburgen liegen in Pesaro, Perugia, Ancona, Siena und Macerata in Mittelitalien, aber auch in fernen Sizilien gibt es lait Boiani "giocatori".

Die Italiener  pflegen zudem eine dem Boßeln ähnelde traditionelle Disziplin. Beim "Ruzzola"wird - wie in Meppen - mit Scheiben von einem Durchmesser von etwa 15 Zentimetern geboßelt, dabei wird zuvor aber eine dünne Schnur wie beim Jojo um die Scheibe gewickelt und das Ende am Mittelfinger festgebunden. So können große Weiten erzielt werden.

Gibt es womöglich auch sogar Klootschießer in Itlaien? Als er 1997 zur Premiere mitgereiste damalige Feldobmann Herbert Braams  in einem Lakal ein altes Foto sah, auf dem ein Sprungbrett abgebildet war, wähnte er sich einer zweiten großen Entdeckung nahe. Des Rätzels Lösung: Das Gerät nutzen die Italiener als Anlauframpe für ihr "Bracciale", das bereits seit dem 14. Jahrhundert gespielt wird und als Vorläufer des Tennissports gilt.

Für den ersten Wettkampftag der EM-Premiere in PEsaro am 18. Mai bringt die FKV-Auswahlt ihr eigenes Sprunfbrett mit. Dann erleben die "Bocciatori" den ersten Klottschiießer-Standkampf überhaupt in Itailien.

Bunte Auswahl. Die Italiener boßeln mit farbenfrohen Kugeln.

Exotische Gäste. ERstmals präsentieren italienische Boßler 2002 beim Jubiläumswettkampf zum 100-Jährigen Bestehen des FKV in Negenmeerten ihr Können.

Ein Sprungbrett für Klootschießer in Italien? Die Konstruktion im Hintergrund ist eine Anlauframpe bei Bracciale".

Boßeln ohne Kugeln. Beim "Ruzzola" wird mit Scheiben geworfen, Hilfsmittel ist eine Schnurr. Große Weiten sind möglich.

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© Sonja Benicke